Die Propstei Wislikofen feierte ihr 50-jähriges Bestehen als Bildungshaus und Seminarzentrum der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau mit zwei besonderen Jubiläumsveranstaltungen. Höhepunkt war der Tag der offenen Tür am Sonntag, 14. Juni, mit über 200 Besucherinnen und Besuchern. Am 12. Juni war Pater Martin Werlen, em. Abt von Einsiedeln, zu Gast und sprach vor über 50 Gästen zum Thema «Kirche umgekehrt».

In diesem Jahr wird das 50-jährige Bestehen der Propstei Wislikofen als Seminarhotel und Bildungszentrum der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau gefeiert. Das ehemalige Tochterkloster des Benediktinerklosters St. Blasien im Schwarzwald (D) wurde vom Kanton Aargau von 1973 bis 1975 saniert und im Jahr 1976 der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau übereignet.

Am Wochenende vom 12. bis 14. Juni 2026 wurde dieses 50-jährige Bestehen mit zwei Jubiläumsveranstaltungen gefeiert: einem Abend mit Pater Martin Werlen zum Thema «Kirche umgekehrt» und einem Tag der offenen Tür für die ganze Bevölkerung.

Der Höhepunkt war der Tag der offenen Tür am Sonntag, 14. Juni. Über 200 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, die Propstei nicht nur von aussen zu betrachten, sondern hinter die Propsteimauern zu blicken. Sie erlebten einen historischen Ort, der bis heute von Gastfreundschaft, Bildung, Spiritualität und Begegnung geprägt ist.

Der Jubiläumssonntag begann um 10 Uhr mit einem festlichen Gottesdienst in der Propsteikirche mit Seelsorger Stefan Günter und Guido Estermann, Leiter Fachstelle Bildung und Propstei. Vertreterinnen der Kirchenpflege Wislikofen-Rümikon überbrachten Grussworte. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst erstmals gemeinsam von den Kirchenchören Wislikofen-Rümikon und Schneisingen-Siglistorf. Ab 11 Uhr war die Propstei zur freien Besichtigung geöffnet. Bei schönstem Wetter wurde vor der Kirche zum Apéro eingeladen. Stündliche Führungen mit Historiker Linus Hüsser gaben Einblick in die lange Geschichte der Propstei, deren Anfänge bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Ergänzt wurden die Rundgänge durch eine Ausstellung im grossen Propsteisaal, die die Geschichte des Hauses bildlich erfahrbar machte.

Auch musikalisch war der Tag reich gefüllt: Schülerinnen und Schüler der Musikschule Schneisingen sowie das Alphorn-Trio Loohofgewächs sorgten für eine festliche und gleichzeitig heitere Atmosphäre im Innenhof. Besonders beliebt waren die Angebote für Familien und Kinder: Über 50 Personen stellten im Kräutergarten eigenes Kräutersalz her und Kinder wie auch Erwachsene nutzten die Gelegenheit zum Schlangenbrotbräteln.

Ein süsser Moment folgte am frühen Nachmittag: Kirchenratspräsident Pascal M. Gregor blickte in seinem Grusswort auf die Geschichte und Bedeutung der Propstei zurück. Gemeinsam mit Synodenpräsident Matthias Schüepp schnitt er anschliessend die dreistöckige Geburtstagstorte an, die eigens frisch in der Propsteiküche zubereitet worden war.

«Ich durfte mit vielen Leuten reden und habe sehr viel Wohlwollen für die Propstei und das Wirken der Landeskirche im Bildungshaus erfahren», sagt Hoteldirektor Samuel Bachofner rückblickend. Besonders gefreut habe ihn, wie lebendig der Innenhof mit Musik, Begegnungen, Führungen und Gesprächen gewesen sei.

Bereits am Freitagabend, 12. Juni, war Pater Martin Werlen, Benediktiner und Propst der Propstei St. Gerold in Vorarlberg, in Wislikofen zu Gast. Vor über 50 Besucherinnen und Besuchern sprach er zum Thema «Kirche umgekehrt». Der ehemalige Abt des Klosters Einsiedeln lud dazu ein, Kirche aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Umkehr, so machte er deutlich, betreffe nicht nur einzelne Menschen, sondern auch und zuallererst die Kirche selbst. Der Abend ermutigte dazu, Kirche neu zu entdecken: kreativer, offener, hörender und näher bei den Menschen. Damit passte er auf besondere Weise zum Selbstverständnis der Propstei Wislikofen als Ort, an dem Bildung nicht bloss Wissen vermittelt, sondern Begegnungen ermöglicht, Fragen zulässt und neue Sichtweisen öffnet.

Die Geschichte der Propstei Wislikofen reicht weit zurück. Bereits im 9. Jahrhundert entstand an diesem Ort ein Hof. 1113 kam er zum Benediktinerkloster St. Blasien, gut 20 Jahre später wurde an der Stelle der heutigen Propstei ein erstes kleines Kloster errichtet. Nach der Aufhebung im Jahr 1807 und einer bewegten Geschichte wurde die vom Zerfall bedrohte Propstei zwischen 1973 und 1975 umfassend saniert. 1976 wurde sie als Seminarhotel und Bildungshaus der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau eröffnet.

50 Jahre später zeigte das Jubiläumswochenende eindrücklich: Die Propstei Wislikofen ist kein Denkmal im Dornröschenschlaf, sondern ein lebendiger Ort. Ein Ort, an dem Geschichte atmet, Menschen zusammenkommen, Hochzeiten gefeiert und Seminare besucht werden, wo Glauben und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen – und an dem Zukunft nicht abstrakt bleibt, sondern ganz konkret erfahrbar wird.

Medienmitteilung der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau
Text und Fotos: Jeannette Häsler Daffré

50 Jahre Bildung und Propstei – Mehr Sinn (er)leben. Fachstelle Bildung und Propstei, bildungundpropstei.ch – Römisch-Katholische Kirche im Aargau, kathaargau.ch