Das Team der Fachstelle Bildung und Propstei und Mattli Antoniushaus hilft mit einem täglichen kurzen Impuls durch die Fastenzeit. Ab Aschermittwoch bis zu Ostern laden Bilder, kurze Gedanken und Einladungen zur Umsetzung dazu ein, die Tage der Fastenzeit bewusst zu erleben.
Senden Sie uns einfach eine Nachricht an sekretariat@propstei.ch und wir lassen sie Ihnen gerne zukommen.
Unterbrechung
Impulse auf dem Weg zum Osterfest
Verabschieden

Im Leben verabschiedet man sich immer wieder: für einen kurzen Einkauf, für ein paar Tage im Tessin oder für einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt. Und einmal verabschieden wir uns für immer …
«Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.»
(Ausschnitt aus «Ich bin vergnügt, erlöst, befreit»)
Diese Zeilen des deutschsprachigen Kabarettisten, Weltverbesserers und Humanisten Hanns Dieter Hüsch (1925–2005) sollen in hoffentlich ferner Zukunft auf meiner Todesanzeige stehen. In diesen wenigen Worten findet sich für mich alles Wesentliche, was meinen Glauben ausmacht. Und so würde ich mich gerne von dieser Welt verabschieden, im Wissen darum, dass meine Zeit in Gottes Hand liegt.
Impuls
Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie Sie sich verabschieden möchten?
Monika Hug, Mattli Antoniushaus

Ein Taschentuch herausziehen und damit einer Person nachwinken:
Jede*r kennt diese Geste zum Abschied – und die wenigsten praktizieren sie noch.
Das Taschentuch, das in der Luft hin- und hergeschwenkt wird, können Wegfahrende noch lange sehen. Und der/die Zurückbleibende hat damit bereits etwas in der Hand, womit sich Tränen abwischen lassen.
In solchen Abschiedsritualen können Menschen «das Zeitliche segnen lernen» (Gotthard Fuchs).
Impuls
Was sind meine Gesten, meine Rituale fürs Loslassen und Abschiednehmen?
Und was macht das Bewusstsein mit mir, dass ich im Verabschieden «das Zeitliche segnen» kann?
Isabelle Senn, Bildung und Propstei
Raum schaffen

«Falls Sie nicht soeben entrümpelt haben, würde sich dies jetzt anbieten…» (hausinfo.ch)
Sucht man im Netz nach «Frühlingsputz», landet man umgehend auf der Homepage von «Schöner Wohnen» oder eben auch «Hausinfo».
Da heisst es dann weiter: «Beginnen Sie also damit, Kleiderschränke auszusortieren und kaputte Gegenstände, Unnützes oder Unbenötigtes zu entsorgen.»
Raum schaffen, kann auch heissen: entrümpeln. Nicht nur im Aussen, sondern auch im Innern: aussortieren und loslassen, was nicht dem Leben dient.
Dazu ist die Fastenzeit eine Einladung.
Impuls
Heute nehme ich mir etwas Zeit, mein Inneres zu sortieren.
Nadia Rudolf von Rohr, Mattli Antoniushaus

Der Zug ist übervoll, Menschen stehen dicht gedrängt im Gang. Nur eine Vierer-Sitzgruppe ist fast frei. Dort sitzt ein Mann allein. Etwas an ihm scheint Abstand zu schaffen, etwas, das verunsichert – vielleicht deshalb dieser leere Raum mitten im vollen Zug. Ich setze mich bewusst zu ihm, denn Leere kann wehtun, besonders wenn niemand sie teilt.
Ich schaue ihn an. Er hebt den Blick, lächelt und begrüsst mich kurz. Mehr geschieht nicht. Rundherum sind viele in ihre Natels vertieft. Kaum jemand nimmt wahr, dass zwischen zwei Menschen für einen Moment Raum entsteht.
Impuls
Das Display unseres Natels ist ein recht winziger Raum. Wenn wir es weglegen, öffnet sich manchmal ein grösserer und schenkt uns ein echtes Lächeln.
Alois Metz, Bildung und Propstei

Immer ist im Herzen Raum für mehr, sagt die Schriftstellerin Nelly Sachs.
Ich erinnere mich, dass ich in Würzburg als Studentin in sehr engen räumlichen Verhältnissen lebte.
Zugleich erfuhr ich mein Leben als einen weiten Raum. Ich fühlte mich frei in meinem Tun und Lassen.
Heute, im dritten Drittel meines Lebens, liegt nicht mehr so viel Lebens-Zeit und Lebens-Raum vor mir.
Raum schaffe ich – vielleicht in seiner schönsten Weise – durch Gegenwärtigkeit. Im Gegenwärtig-Sein ist immer Raum für mehr.
Impuls
Heute schaffe ich mir Raum durch meine Gegenwärtigkeit.
Auf dem Weg – wer kommt mir entgegen?
Im Gespräch – was klingt in mir an?
Im Trubel – was schenkt mir Geborgenheit?
In der Arbeit – was lässt mich glücklich sein?
Claudia Mennen, Mattli Antoniushaus

«Gott, von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine schützende Hand über mir.» (Psalm 139,5) Gott bindet sich an uns Menschen so erzählt die Bibel.
Das schafft Raum, das Leben zu wählen, statt den Tod, die anderen zu sehen und aus dem ängstlichen Kreisen um sich selbst auszusteigen.
Bindung und Freiheit sind keine Alternativen. Sie gehören in biblischer Perspektive zusammen. Da, wo ich mich an Menschen binde, entsteht ein Raum für andere und für mich selbst, ein Raum, der leben und atmen lässt. Liebe und Verantwortung, Respekt und Wertschätzung werden erfahren.
Dies gilt auch für die Welt im Grossen. Bindungen wie Menschenwürde und Menschrechte schaffen Raum für ein gutes Zusammenleben.
Impuls
Welche Bindungen tragen mich? Welche lassen mich leben?
Heute sage ich jemandem, wie kostbar sie oder er für mich ist.
Bernhard Lindner, Fachstelle Bildung und Propstei

Raum schaffen als inneren Prozess: Strukturen des Gewesenen und des Seienden wahrnehmen. Innehalte, um den eigenen Dynamiken Bewusstsein zu verleihen. Das Gewesene und das Seiende sehen und in Verbindung mit dem eigenen Umfeld, der eigenen Geschichte, den eigenen Ideen bringen– ohne Angst und mit der Liebe zu sich selbst. In dieser Raum-schaffenden Haltung liegt das Potenzial für das Neue, Andere, Lebendige.
Impuls
Das eigene Raum-schaffen braucht Mut und Ausdauer. Es ist wie der Sprung ins eigene Ich. Trauen Sie sich diesen Mut zu. Es lohnt sich, es ist der Start zum Lebendigen im eigenen Sein und für die Welt.
Guido Estermann, Bildung und Propstei

Wo halten Sie am liebsten inne? Ich bin ja eigentlich durch und durch ein Bergmensch, aber das Meer (hier in Portugal) hat eine ganz eigentümliche Wirkung auf mich. Es schafft irgendwie Raum in meinem Inneren. Es lässt mich ruhig werden und fokussiert. In solchen Momenten nehme ich die Welt und mein Sein ganzheitlich war.
Wenn ich dieses Bild betrachte, kann ich wieder in dieses Gefühl eintauchen und mir Raum schaffen.
Impuls
Ich wünsche Ihnen für heute eine «Meer»-Pause, die Ihnen Raum schenkt, um ganz bei sich zu sein.
Monika Hug, Mattli Antoniushaus

80cm x 80cm
So viel freier Raum auf dem Schreibtisch sei ideal, damit kreatives und produktives Arbeiten gelingen kann.
Seit ich das in einem Workshop zur Arbeitsorganisation gelernt habe, frage ich mich manchmal, was alles entstehen könnte, wenn es diesen Freiraum auf meinem Pult tatsächlich immer gäbe…
Impuls
Innere und äussere Ordnung stehen in einem Wechselspiel.
Wo und wie könnte ich (äusserlich) Raum schaffen?
Ich überlege mir das zweckfrei: ohne Hintergedanken, wofür dieser Raum dann wieder genutzt und womit er gefüllt werden könnte.
Isabelle Senn, Bildung und Propstei

Du schufst weiten Raum meinen Schritten… (2 Sam 22,37)
Kapitel 22 im Buch Samuel ist in der Einheitsübersetzung von 2016 überschrieben mit: «Davids Danklied».
Heute, wo wir eine Überfülle an Vielem beklagen, und für Manches fehlenden Freiraum, lohnt es sich, den Fokus zu ändern: Wo war und ist mir Raum geschenkt für meine persönliche Entfaltung?
Impuls
Heute stimme ich ein Danklied an für die Menschen, die mir Seins-Raum schufen und schaffen – und für Gott, der sich darin zeigt.
Nadia Rudolf von Rohr, Mattli Antoniushaus

In einem psychologischen Versuch fügten fast alle etwas hinzu, um eine Aufgabe zu verbessern. Nur wenige dachten daran, etwas wegzunehmen.
Wenn es eng wird, machen wir mehr. Raum entsteht oft durch das, was wir lassen. Begnügt euch mit dem, was da ist (Hebr 13,5).
Impuls
Vielleicht hilft in dieser Fastenzeit ein kleiner Knoten im Taschentuch. Als Erinnerung daran, einmal weniger zu machen.
Musiktipp: Arvo Pärt. Ein Meister des Weglassens. Seine Musik eröffnet neue Räume – zum Beispiel Spiegel im Spiegel. Spiegel im Spiegel for Cello and Piano (Arvo Pärt)
Alois Metz, Bildung und Propstei

Es gibt Worte, die schaffen Raum.
Schön, dass Du gekommen bist.
Ich habe mich auf Dich gefreut.
Mit Dir kann man Pferde stehlen.
Danke.
Verzeih mir.
Meine beste Freundin.
G-tt.
Ewigkeit.
Güte.
Gnade.
Segen.
Amen.
Amen ganz besonders.
Impuls
Heute sammle ich Worte, die mein Herz weit machen. Wenn ich mag, schreibe ich sie auf. Vielleicht der Beginn eines Tagebuchs durch die Fastenzeit.
Claudia Mennen, Mattli Antoniushaus

«Am Aschermittwoch ist alles vorbei!» So heisst es im Kölner Karnevalsschlager von Jupp Schmitz aus den 1950er Jahren. «Nicht ganz», so könnte man von der Basler Fasnacht aus sagen, die bei der alten Berechnung der Fastenzeit geblieben ist: 40 Tage Fastenzeit am Stück, inclusive der Sonntage. Doch ist wirklich «alles vorbei»?
Die christliche Tradition liebt die Brüche im Jahreskalender: Nach der Ausgelassenheit der Fasnacht kommt die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das Osterfest. Dahinter steht eine tiefe Weisheit. Das Leben braucht beides: Ausgelassene Fröhlichkeit und nachdenkliches Bei-Sich-Sein.
Ich erfahre jedes Jahr den Aschermittwoch als Chance intensiv zu leben. Nach den Monster-Guggen-Konzerten hat auch wieder die Stille ihren Platz. Ich will neu hören.
Impuls
«Gedenke Mensch…» heisst es bei der Austeilung des Aschenkreuz. In Köln als 8. Sakrament bezeichnet. Eine Einladung, mich selbst und mein Leben wert zu schätzen. So wie es ist. Ungeschminkt. Mit Blick auf Ostern und Gottes Barmherzigkeit. Denn «wir kommen alle, alle in den Himmel», so meint Jupp Schmitz in einem anderen Lied.
Bernhard Lindner, Fachstelle Bildung und Propstei

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